Psychotherapeutische Praxis - Dipl.-Psych. Nils Spitzer
Psychotherapeutische Praxis   -   Dipl.-Psych. Nils Spitzer

Dipl.-Psych; M.A. (Soz. & NDL)

Nils Spitzer

 

Psychotherapeutische Praxis

 

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Perfektionismus

 

Perfektionismus ist eine wichtige Ursache psychischer Belastungen und Krankheiten. Es kann in einer Psychotherapie daher eine bedeutsame Rolle spielen.

 

 

Was ist Perfektionismus?

 

Als Perfektionist:innen gelten Menschen, die extrem hohe Maßstäbe an ihr Handlungen anlegen: Sie müssen auf vollkommene, auf jeden Fall fehlerfreien Weise ausgeführt werden. Gewöhnlich richten sich diese perfektionistischen Ansprüche dabei auf die eigenen Tätigkeiten, aber nicht selten werden diese ehrgeizigen Ansprüche auch an Mitmenschen angelegt: die Arbeitskolleg:innenen, die Freund:innen, die Familie oder die Nachbarschaft.

 

Es geht also beim Perfektionismus im Kern um das Streben nach dem Maximalen und Makellosen, danach, die Dinge immer noch besser zu machen als bisher. Es ist als hätten Perfektionist:innen für ihre besonders wichtigen Lebensbereiche ein athletisches Motto ausgerufen: höher, schneller, weiter – und möglichst fehlerlos. Manche von ihnen streben danach nur in wenigen Lebensbereichen, andere machen daraus einen umfassenden Way of life.

 

Was ist ein klinischer oder dysfunktionaler Perfektionismus?

 

So wird aktuell ein Perfektionsstreben bezeichnet, dass nicht mehr nützt, sondern schadet. Zu den sehr ehrgeizigen Maßstäben kommen hier noch zwei weitere Elemente hinzu. Klinische Perfektionist:innen sind Menschen mit folgenden drei Eigenschaften:

  1. Extrem hohe Maßstäbe: Es sind sehr ehrgeizige Ansprüche, die von Außenstehenden häufig als übertrieben oder unnötig angesehen werden.
  2. Starre beim Verfolgen der Maßstäbe: Selbst bei erkennbar negativen Folgen kann von diesen Maßstäben nicht abgelassen werden. Sie werden als so fordernd und zwingend erlebt, dass sie trotz hoher Kosten weiter verfolgt werden.
  3. Erfolgsabhängiger Selbstwert: Der Wert der kompletten eigenen Person, die ganze Selbstachtung, wird größtenteils an der Fähigkeit, diese Maßstäbe zu erfüllen, dem Erfolg, gemessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Teufelskreis des Perfektionismus

 

Unter den sehr ehrgeizigen Ansprüchen verwandeln sich schnell alle Alltagsaufgaben in brisante Prüfungen für klinische Perfektionist:innen – sie unterziehen sich einer dauernden Qualitätskontrolle. Jedes Verfehlen der hohen Maßstäbe, egal wie nah man ihnen gekommen sein mag, wird häufig unterschiedslos als Versagen bewertet: „Ich bin wirklich ein Versager, eine Niete, ich habe in dem Test nur 92 von 100 Punkten erreicht“. Es war also ein MisserfolgPeinlichkeit tritt auf, wenn etwas nicht ganz so Wichtiges schief geht, Scham und Schuld, wenn große Sachen daneben gehen.

 

Ziehen Perfektionist:innen wenigstens Konsequenzen aus wiederholten Misserfolgen und senken dann ihre Maßstäbe, weil sie einfach nicht erreichbar erscheinen? Ganz im Gegenteil: Misserfolge nehmen Perfektionist:innen schnell als Hinweis, sich noch mehr für die weiterhin hohen Maßstäbe anstrengen zu müssen, während sie normalerweise ein Signal für das Senken eigener Ansprüche sind.

 

In einem Teufelskreis der hohen starren Maßstäbe, werden die Ansprüche immer extremer:

 

Zu welchen psychischen Problemen kann es durch Perfektionismus kommen?

 

Für klinische Perfektionist:innen ist das Leben ein dauernder Kampf oder eine ständige Prüfung - werde ich meinen hohen Ansprüchen gerecht? Kein Wunder, dass eine solche Lebensweise das Leben oft schwer macht und mit einer ganzen Reihe von Belastungen zu rechnen ist.

 

Perfektionist:innen neigen dazu, sich derart für ihre hohen starren Maßstäbe zu engagieren, dass sie sich schnell überanstrengen und unnötig stark schon an scheinbar unwichtigen Aufgaben erschöpfen.

 

Aber damit nicht genug: Eine kaum noch überschaubare Anzahl von wissenschaftlicher Studien hat inzwischen einen Zusammenhang zwischen Perfektionismus und vielen psychischen Krankheiten nachgewiesen –  vor allem Depressionen, Angststörungen, Zwänge und Essstörungen scheinen enge Verbindungen zum Perfektionismus aufzuweisen: Jemand mit einer Zwangsstörung kann sich erst von seinen Kontrollen losreißen, wenn er sie wirklich vollkommen und bestimmt fehlerfrei ausgeführt hat. Eine magersüchtige Frau strebt nach einem perfekten Schlankheitsideal und zerfleischt sich selbst und ihre scheinbare Disziplinlosigkeit, wenn sie es nicht erreicht. Ein schon mehrfach als Querulant angeeckter Mensch kann wieder einmal nicht begreifen, warum diese Welt derart angefüllt ist mit rücksichtslosen Egoisten, Temposündern und Faulenzern - wo es doch so einfach wäre, es mit ein bisschen Anstrengung und Aufmerksamkeit besser zu machen.

 

Abhilfe bei Perfektionismus

 

Zum Glück lässt sich sogar ein ausgeprägter Perfektionismus verändern. Dabei stellen sich gleich mehrere Aufgaben: Die starren Ansprüche und Forderungen an sich und andere Menschen flexibler gestalten; den eigenen Selbstwert unabhängiger von Erfolg oder Misserfolg in perfektionistischen Lebensbereichen machen; und manchmal sogar die eigenen sehr hohen Maßstäbe auf ein realistisches und erreichbares Maß senken.

 

Sicherlich lohnt es sich zuerst, zur Selbsthilfe zu greifen und mithilfe eines Ratgebers sich selbstständig an die Veränderung des eigenen Perfektionismus zu machen. Steht er allerdings in Verbindung zu einer belastenden psychischen Krankheit wie einer Depression oder einer Zwangsstörung, dann ist es sinnvoll, Unterstützung durch eine Psychotherapie zu suchen.

 

 

 

 

Ein Ratgeber für Perfektionist:innen

 

 

Perfektionismus überwinden. Müßiggang statt Selbstoptimierung. Heidelberg/Berlin: Springer Verlag. Ansehen

 

Ein Handbuch für Psychotherapeut:innen und Berater:innen

 

Perfektionismus und seine vielfältigen psychischen Folgen. Ein Leitfaden für Psychotherapie und Beratung. Heidelberg/Berlin: Springer Verlag. Ansehen

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