Psychotherapeutische Praxis - Dipl.-Psych. Nils Spitzer
Psychotherapeutische Praxis   -   Dipl.-Psych. Nils Spitzer

Dipl.-Psych; M.A. (Soz. & NDL)

Nils Spitzer

 

Psychotherapeutische Praxis

 

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Das Ungewisse ...

 

Ungewissheiten lauern so ziemlich überall. Im Kopf nehmen sie häufig die Gestalt von Fragen an: Wird es morgen regnen? Stecke ich mich beim Einkaufen mit dem neuen Virus an? Kommt der Zug pünktlich? Wie wird die chronische Krankheit im nächsten Jahr fortschreiten?

Ungewissheit ist eine Form des Unklaren. Im Leben können dabei grundsätzlich sehr verschiedene Dinge im Unklaren bleiben: Sachverhalte aus der Vergangenheit (wann bin ich eigentlich eingeschult worden?), aus der Gegenwart (wo habe ich nur jetzt wieder die Schere hingelegt?)und Zukunft (wird die Krise schnell vorübergehen?). Ungewissheit bezeichnet nun das Unklare bezüglich zukünftiger Ereignisse: Man weiß einfach nicht genau, was auf einen zukommt.

 

Eine geringe Toleranz gegenüber Ungewissheit?

 

Die meisten Menschen ziehen nun Gewissheit der Ungewissheit vor. Sie wünschen sich eine verlässliche Welt, eine Welt ohne unvorhersehbare Risiken. Zwar gibt es auch die schönen Ungewissheiten - nicht zu wissen, wie ein Film oder ein Spiel ausgeht zum Beispiel. Trotzdem herrscht insgesamt eher eine allgemeine Risikoscheu.

Das Ungewisse lässt sich nur leider nicht komplett vermeiden - und der Umgang mit ihr kann mehr oder weniger gut gelingen. Die Fähigkeit, sich mit dem Ungewissen zu arrangieren, ist nämlich sehr unterschiedlich ausgeprägt: Manche Personen werden mit Ungewissheiten recht gut fertig, während andere sie als sehr unangenehm empfinden und sich durch ungewisse Umstände schnell bedroht fühlen.

Sind die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Ungewissen sehr ausgeprägt, dann spricht man in der Psychologie von einer Intoleranz gegenüber Ungewissheit. Etwa seit den 1990er Jahren zieht diese „Intolerance of Uncertainty“ die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich.

Personen, die davon betroffen sind (Ihr Denken ist häufig von Fragen bestimmt: Komme ich morgen pünktlich zur Arbeit? Wird mit dem Urlaub auch alles gutgehen?), nehmen schnell an, dass in ungewissen Situationen sicherlich etwas Bedrohliches, Belastendes passieren wird, und dass sie damit bestimmt nicht fertig werden. Sie nehmen an, dass diese ständige Auseinandersetzung mit dem Unklaren bestimmt ein schlechtes Licht auf sie wirft (warum immer ich?) und finde Ungewissheiten unerträglich.

 

Zu welchen psychischen Problemen kann eine geringe Ungewissheitstoleranz beitragen?

 

Eine geringe Toleranz gegenüber dem Ungewissen lässt sich im Kern wie eine psychische Allergie verstehen: Schon kleine Mengen an Ungewissheit, nur eine Prise davon, werden als bedrohlich oder belastend bewertet und man traut sich nicht zu, mit ihnen fertig zu werden. Ungewisse Situationen erscheinen so in einem sehr negativen Licht.

Daher erleben die Betroffenen angesichts ungewisser Situationen oft Angst, machen sich Sorgen und versuchen durch Vergewisserungsverhalten, die ungewisse Situation zu beseitigen und wieder Gewissheit herzustellen. Sie kontrollieren manche Sachen immer wieder,  vermeiden ungewisse Umstände komplett oder schieben sie ständig auf. Durch diesen anstrengenden Umgang mit ungewissen Situationen sind Personen mit geringer Ungewissheitstoleranz immer einem höheren Stress ausgesetzt und daher auch anfälliger für psychische Erkrankungen.

Inzwischen hat sich gezeigt, dass Intoleranz gegenüber Ungewissheit wohl ein wichtiger Vulnerabilitätsfaktor für viele psychische Probleme ist: Menschen werden durch sie z.B. anfälliger für eine generalisierte Angststörung, für Zwangsstörungen oder soziale Phobien .

 

Eine ausgewogenere Toleranz gegenüber dem Ungewissen aufbauen

 

Ungewissheitstoleranz lässt sich verbessern. Dazu ist es besonders wichtig, den eigenen gedanklichen Filter zu verändern, der ungewisse Situationen immer wieder in ein sehr negatives Licht rückt. Mittels Übungen zur Veränderung des eigenen Denkens und praktischer Experimenten lässt sich lernen, ungewisse Situationen nicht mehr als übermäßig bedrohlich anzusehen. Und sich auch nicht mehr so hilflos ihnen gegenüber zu fühlen.

Sicherlich lohnt es sich zuerst, zur Selbsthilfe zu greifen und mithilfe eines Ratgebers sich selbstständig an die Veränderung der eigenen geringen Ungewissheitstoleranz zu machen. Steht sie in Verbindung zu einer belastenden psychischen Krankheit wie einer Depression, einer sozialen Phobie oder einer Zwangsstörung, dann ist es auch sinnvoll, mithilfe einer Psychotherapie am Aufbau einer besser ausbalancierten Ungewissheitstoleranz zu arbeiten.

 

Mehr zu diesem Thema in "Freie Psychotherapie", Heft 6/2019

 

 

 

Ein Ratgeber für Menschen mit einer geringen Ungewissheitstoleranz

 

Schritte ins Ungewisse. Wie sich Ungewissheit im Leben besser aushalten lässt (voraussichtlich September 2020). Heidelberg/Berlin: Springer Verlag. Ansehen

Ein Handbuch für Psychotherapeuten und Berater

 

Ungewissheitsintoleranz und die psychischen Folgen. Behandlungsleitfaden für Psychotherapie und Beratung (2019). Heidelberg/Berlin: Springer Verlag. Ansehen

 

 

 

 

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